Nominalisierung: aus Verben Nomen machen (B2/C1 Nominalstil zum Schreiben)
Wie du aus Verben Nomen machst, die wichtigsten Endungen nach Genus sortiert, und wie du daraus Nominalstil für B2- und C1-Prüfungstexte baust.
Nominalisierung bedeutet, aus einem Verb oder Adjektiv ein Nomen zu machen, zum Beispiel aus entwickeln die Entwicklung. Hier findest du die Bildungsregeln, eine Liste nach Endung und Genus, und wie du daraus den Nominalstil für B2- und C1-Texte baust.
Das Wichtigste in Kürze - Nominalisierung macht aus einem Verb oder Adjektiv ein großgeschriebenes Nomen, meist mit einem Artikel davor. - Vier Bildungswege: ohne Endung (der Beginn), mit -ung/-heit/-keit/-schaft (feminin), mit -tum (neutrum) oder -nis (Genus pro Wort prüfen), und als substantivierter Infinitiv (das Verhalten). - Bei Verben auf -ieren gibt es keine hundertprozentig sichere Regel: realisieren wird zur Realisierung, aber informieren wird zur Information, nicht zur Informierung. - Nominalstil verwandelt ganze Nebensätze in Nominalphrasen, zum Beispiel wird aus weil die Kosten gestiegen sind der Ausdruck wegen des Kostenanstiegs. - Nominalstil wirkt formeller und kompakter und zählt im Schreibteil von Prüfungen wie dem Goethe-Zertifikat B2, aber zu viel davon macht einen Text schwerer lesbar.
Was ist Nominalisierung?
Nominalisierung heißt, ein Verb oder ein Adjektiv in ein Nomen zu verwandeln. Das neue Wort wird großgeschrieben und bekommt fast immer einen Artikel, ein Pronomen oder eine Präposition davor. Aus dem Verb entwickeln wird die Entwicklung, aus dem Adjektiv frei wird die Freiheit, und aus dem Verb lesen wird das Lesen.
Verbal und nominal ausgedrückt bedeutet oft fast dasselbe, klingt aber unterschiedlich: Die Firma entwickelt das Produkt weiter ist verbal, Die Entwicklung des Produkts schreitet voran ist nominal. Im Alltag und beim Sprechen überwiegt der verbale Stil. Beim formellen Schreiben, etwa in Berichten, Aufsätzen oder formellen Prüfungstexten, kommt der nominale Stil deutlich häufiger vor.
Ein zweites Beispiel zeigt denselben Wechsel bei einem Adjektiv statt einem Verb: Die Reise war frei von Problemen ist verbal-adjektivisch formuliert, Die Freiheit von Problemen machte die Reise angenehm klingt nominal und etwas gehobener. Beide Sätze sind richtig, aber der nominale Satz passt besser in einen formellen Bericht, der verbale besser in ein Gespräch unter Freunden.
Vier Wege, aus einem Verb ein Nomen zu machen
Es gibt im Deutschen vier typische Muster, mit denen aus einem Verb ein Nomen wird. Die folgende Tabelle zeigt sie mit Genus, damit du von Anfang an den richtigen Artikel lernst.
| Bildung | Genus | Beispiele |
|---|---|---|
| Ohne Endung (Nullableitung) | Muss pro Wort gelernt werden | der Beginn (beginnen), der Kauf (kaufen), die Hilfe (helfen) |
| Mit Endung -ung, -heit, -keit, -schaft | Feminin | die Entwicklung (entwickeln), die Lösung (lösen), die Freiheit (adj. frei), die Möglichkeit (adj. möglich), die Freundschaft |
| Mit Endung -tum | Neutrum | das Wachstum (wachsen), das Eigentum (eigen) |
| Mit Endung -nis | Genus pro Wort prüfen | das Ereignis (neutrum), die Erkenntnis (feminin) |
| Substantivierter Infinitiv (kein eigenes Nomen vorhanden) | Immer neutrum | das Verhalten (sich verhalten), das Vorgehen (vorgehen), das Lesen (lesen) |
Bei der Nullableitung ohne Endung hilft nur, sich Verb und Nomen zusammen zu merken, zum Beispiel immer beginnen und der Beginn als Paar, nie nur das eine oder das andere. Bei -ung, -heit, -keit und -schaft kannst du dir das Nachschlagen dagegen meist sparen: Diese vier Endungen sind so zuverlässig feminin, dass du bei einem neuen Wort mit dieser Endung sofort den richtigen Artikel wählen kannst.
Die Zeile zu -nis zeigt dagegen eine echte Falle: Viele Lernseiten behaupten, -nis-Nomen seien zuverlässig ein Genus. Das stimmt nicht. Das Ereignis ist neutrum, die Erkenntnis ist feminin. Lern deshalb bei jedem -nis-Wort den Artikel einzeln, genau wie bei den Nullableitungen ohne Endung.
Für Verben, zu denen es noch gar kein eigenes Nomen gibt, bleibt als vierter Weg der substantivierte Infinitiv. Er ist immer neutrum und bildet den Plural praktisch nie: das Verhalten, das Vorgehen, das Lesen.
Jedes Genus in dieser Tabelle ist gegen DWDS und Duden geprüft, bevor es hier steht.
-ung, -ierung oder -tion? Die Endung bei Verben auf -ieren
Eine der häufigsten Fehlerquellen bei B2- und C1-Texten betrifft Verben, die auf -ieren enden. Die meisten davon werden ganz regelmäßig mit -ierung zum Nomen, zum Beispiel realisieren zur Realisierung. Eine kleinere, aber häufig gebrauchte Gruppe von Verben mit lateinischer oder französischer Wurzel nimmt stattdessen -(t)ion oder -ssion:
| Verb | Nomen | Muster |
|---|---|---|
| realisieren | die Realisierung | regelmäßig: -ieren zu -ierung |
| informieren | die Information | Ausnahme: -ieren zu -ation |
| organisieren | die Organisation | Ausnahme: -ieren zu -ation |
| produzieren | die Produktion | Ausnahme: -ieren zu -tion |
| diskutieren | die Diskussion | Ausnahme: -ieren zu -ssion |
Es gibt keine Regel, die vorab verrät, welches Verb zur Ausnahme gehört. Die sicherste Methode ist, jedes neue -ieren-Verb einmal im Wörterbuch nachzuschlagen und sich die Nomenform direkt mit dem Verb zusammen zu merken, nicht erst beim Schreiben zu raten.
Ein Beispiel zeigt den Unterschied konkret: Wir realisieren das Projekt im Mai wird im Nominalstil zu Die Realisierung des Projekts erfolgt im Mai, das folgt der regelmäßigen Form. Wir informieren die Kunden über die Änderung wird dagegen zu Die Information der Kunden über die Änderung erfolgt, und nicht zur falschen Form Die Informierung. Wer sich nur die Grundregel -ieren zu -ierung merkt, produziert hier einen Fehler, der in einer B2- oder C1-Prüfung sofort auffällt.
Nominalstil: wie du aus Sätzen Nominalphrasen machst
Nominalstil heißt nicht nur, einzelne Wörter zu nominalisieren, sondern ganze Nebensätze in eine Nominalphrase zu verwandeln. Das Prinzip: Ein Nebensatz mit nachdem, weil oder wenn wird zu einer Präposition plus einem Nomen.
| Verbalstil (Nebensatz) | Nominalstil (Nominalphrase) |
|---|---|
| Nachdem die Firma die Untersuchung durchgeführt hatte, ... | Nach der Durchführung der Untersuchung ... |
| Weil die Kosten gestiegen sind, ... | Wegen des Kostenanstiegs ... |
| Wenn man die Stunden nicht anspart, ... | Ohne das Ansparen von Stunden ... |
Die zweite wichtige Regel betrifft das Objekt des Verbs. Im Verbalsatz steht es im Akkusativ, im Nominalsatz wird daraus ein Genitivattribut: Man untersuchte die Daten wird zur Untersuchung der Daten. Hat das Nomen im Genitiv keinen Artikel oder kein Adjektiv, das die Endung tragen könnte, weichst du stattdessen auf von plus Dativ aus: die Beschäftigung von Leiharbeitern statt eines unhandlichen die Beschäftigung Leiharbeiter.
So sieht die Umstellung an einem ganzen Gedanken aus. Verbal: Nachdem die Firma die Kosten untersucht hatte, entschied sie, dass sie das Personal reduzieren musste, weil die Ausgaben zu stark gestiegen waren. Nominal: Nach der Untersuchung der Kosten entschied sich die Firma wegen des starken Ausgabenanstiegs für eine Reduzierung des Personals. Der zweite Satz ist kürzer, wirkt sachlicher und reiht die Informationen wie Bausteine aneinander, genau der Effekt, den Nominalstil in einem Bericht oder einer formellen Prüfungsantwort erzielen soll.
Wann lohnt sich Nominalstil, und wann nicht?
Nominalstil ist typisch für formelle Texte: Berichte, wissenschaftliche Arbeiten, Behördensprache und eben auch den Schreibteil von Prüfungen wie dem Goethe-Zertifikat B2. Er wirkt kompakter und sachlicher als der verbale Stil, weil er Handlungen wie Objekte behandelt statt wie Vorgänge, die jemand gerade tut.
Genau das ist aber auch die Gefahr: Reihst du zu viele Nominalisierungen hintereinander, wird ein Satz schwer lesbar. Ein Satz wie Die Durchführung der Untersuchung der Ursachen des Anstiegs der Kosten erfolgte im Frühjahr klingt gestelzt und ist schwer zu entschlüsseln, weil gleich vier Genitive hintereinander stehen. Nutze Nominalstil deshalb gezielt für einzelne, zentrale Aussagen und mische ihn mit normalem Verbalstil, statt einen ganzen Text nur aus Nominalphrasen zu bauen.
Eine einfache Faustregel für B2- und C1-Texte: Nominalisiere die Aussage, die den Hauptgedanken eines Absatzes trägt, zum Beispiel eine Ursache, eine Entscheidung oder ein Ergebnis, und lass die restlichen Sätze im Absatz verbal. So liest sich der Text abwechslungsreich, und die eine Nominalisierung fällt als bewusst gesetzter, formeller Akzent auf, statt in einer Reihe gleich klingender Sätze zu verschwinden.
Signalwörter: Nominalisierung erkennen
Ein nominalisiertes Wort erkennst du fast immer an einem der folgenden Signalwörter davor:
- Artikel: die Entwicklung, das Lesen
- Präposition mit Artikel: beim Lesen, nach der Untersuchung, wegen des Anstiegs
- Pronomen: ihre Entscheidung, sein Verhalten
- Mengenangabe oder Adjektiv: alles Wichtige, eine große Veränderung
Zwei Beispielsätze zeigen den Unterschied: Beim Lesen dieses Berichts fällt der hohe Nominalstil auf (nominal) gegenüber Wenn man diesen Bericht liest, fällt der hohe Nominalstil auf (verbal). Beide Sätze sagen dasselbe, der erste klingt formeller und kompakter.
Wenn du außerdem wissen willst, wie sich der Wortschatz zwischen B1 und B2 insgesamt verändert, lohnt sich der Vergleich von B1- und B2-Wortschatz. Ein verwandtes Wortbildungsmuster, bei dem ein Präfix die Bedeutung eines Verbs verändert, findest du bei den trennbaren und untrennbaren Verben. Für feste Satzmuster, mit denen du Nominalstil direkt in einem Prüfungstext einsetzen kannst, hilft der Artikel über Satzmuster statt Regeln. Und wer die zugrunde liegenden Präfixe und Wortteile besser behalten will, findet dazu mehr im Artikel Wörter mit Präfixen besser merken.
Speicherst du ein Verb wie entwickeln in Worio, zeigt dir WordDNA seine Wortfamilie, damit entwickeln und die Entwicklung verbunden bleiben statt wie zwei getrennte Wörter zu wirken.
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